Der ALBATROS wird im Rahmen eines Festaktes am 25. April 2018 in Bremen übergeben.

Am 8. und 9.12.2007 hat die Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen die Preisträger des „ALBATROS“ ernannt.

In der Begründung der Jury heißt es:
„Dass Politik das Schicksal ist, trifft auf Bora Ćosić in hohem Masse zu. 1932 in Zagreb geboren, in Belgrad aufgewachsen, hat er 1992 aus Protest gegen das Milošević-Regime seine Heimat Serbien verlassen. Dennoch schreibt er Serbisch und ist einer der wichtigsten serbischen Autoren unserer Zeit und wie kein anderer schildert er die Existenz zwischen den Welten. So in seinem jüngsten Buch „Die Reise nach Alaska“, das keineswegs eine Reise in diese Gegend, sondern in seine alte Heimat zum Gegenstand hat. Ćosić spürt die Spuren des Hasses, des Krieges und der Vernichtung auf, er stellt aber auch die Vielgestaltigkeit dar und die Schönheit einer Stadt wie Sarajewo. Wer dieses Buch, das trotz aller Traurigkeit ein schönes ist, gelesen hat, weiß, wie sehr das Schicksal Südosteuropas unser aller Leben bestimmt hat und bestimmen wird und dass wir auf eine friedliche Lösung der Konflikte dieser Region hoffen müssen.
Die Übersetzung von Katharina Wolf – Grießhaber trifft in herausragender Weise den Ton des literarischen Originals.“

Der 1932 in Zagreb geborene und in Belgrad aufgewachsene Bora Ćosić lebt seit 1992 in Berlin und Rovinij. 1969 erschienen der Roman „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution“, weitere Werke sind: „Wie unsere Klaviere repariert wurden“ (1968), „Tutori“ (1978), „Bel tempo“ (1982), „Tagebuch eines Heimatlosen“ (1993). In Deutsch zuletzt erschien der Band „Die Reise nach Alaska“ (2007).

Katharina Wolf – Grießhaber hat „Die Zollerklärung“ (2001), „Das Land Null“ (2004) und „Die Reise nach Alaska“(2007) ins Deutsche übersetzt. Zu den von ihr übersetzten Autoren aus dem osteuropäischen Sprachraum zählen u.a. Danilo Kiš, Bogdan Bogdanović, Salvenka Drakulić und Dževad Karahasan.

In „Die Reise nach Alaska“, Ćosićs jüngstem Buch, bricht er auf zu einer Reise durch das frühere Jugoslawien. Dynamisch zwischen Heute und Damals wechselnd, verbindet er sinnliche Anschauung mit politischer Kritik, scharfsinnig historische Reflexion mit überraschenden Reisebildern und Erinnerungen an eine einst avantgardistische Kulturszene, getrieben von der Frage, wie es zur Katastrophe hatte kommen können. Obwohl Ćosić immer politische Position in seinen Büchern bezieht, sieht er sich keineswegs als politischen Autor. Er sieht sich als Schriftsteller, der auf Probleme antworte, die ein Mensch unter schlechten Lebensbedingungen habe. „Und wenn der Mensch in die Politik involviert ist, dann hat er schlechte Bedingungen“. In den osteuropäischen Ländern gilt er als „Bruder“ von Bohumil Hrabal und Josef Škvorecký.
Für Bora Ćosić ist das Subjekt im 20./21. Jahrhundert ein Mensch am Bahnsteig mit Koffer in der Hand. „Doch das Gepäck ist leer. Was bleibt, ist alleine eine Erinnerung, die nichts mehr ist als reine Fiktion“.

Author

grass

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